Für meine englischsprachigen Leser: This is the German version of Why you don’t need Nikon Capture NX-D.

Capture NX-D Install

Seit Nik Software von Google übernommen wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das RAW-Tool von Nikon ersetzt würde. Vor einigen Tagen hat Nikon nun Capture NX-D vorgestellt, ein kostenloses Tool, um die RAW-Files der eigenen Kameras entwickeln zu können. Ich hatte mir schon während der Beta-Phase Capture NX-D angesehen und als als Besitzer von Capture NX2 war ich ziemlich enttäuscht von NX-D. Denn in Nikons Pressemeldung (siehe hier) wurde NX-D als Ersatz für NX2 angekündigt:

Capture NX-D ist eine kostenlose Software, die die aktuelle Software Capture NX 2 künftig ersetzen wird“

Dementsprechend hoch waren dann natürlich auch meine Erwartungen. Aber was bekommt man? Eine abgespeckte Version von SilkyPix, wie NikonRumors festgestellt hat. Also das, was auch andere Kamerahersteller verschenken. An sich ist das nicht verwerflich, aber es ist eben kein Ersatz für NX2.

Capture NX-D
Capture NX-D

Einzelkritik

Download und Installation verliefen auf meinem Mac problemlos. Nach dem Starten stellt sich aber eine gewisse Ernüchterung ein. Das Programm wirkt ziemlich aufgeräumt, was bei der überschaubaren Menge an Werkzeugen und Einstellungsmöglichkeiten nicht verwunderlich ist. Benutzer von SilkyPix werden sich mit Sicherheit sofort heimisch fühlen.

Eine einzige Besonderheit konnte ich entdecken: Es gibt die Möglichkeit das Active D-Lightning nachträglich zu konfigurieren. Mit Active D-Lightning versucht eine Nikon Kamera bereits bei der Aufnahme Detailverluste in besonders hellen oder dunklen Bildbereichen zu verringern, also das, was man in Lightroom mit Tiefen und Lichtern oder auch der Gradationskurve bei der Nachbearbeitung gut korrigieren kann. Auch die Anzeige der Fokuspunkte ist natürlich wieder möglich (eine Funktion, bei der ich in Lightroom manchmal überlege, ob ich sie vermisse oder nicht).

Capture NX-D Focus point
Capture NX-D Anzeige des Fokus Punktes

Ansonsten sind die üblichen verdächtigen Tools vorhanden: Belichtungskorrektur, Weißabgleich, Ausrichten, Ausschneiden usw. Allerdings fehlen die Möglichkeiten zur lokalen Korrektur. Die U-Points (eine Art Bereichs-Masken-Auswahl, geniale Technik!) aus NX2 fehlen gänzlich! Die gibt es nun ausschließlich in der Nik Collection von Google.

Es gibt auch ein Tool für Objektivkorrektur. Allerdings ist es komplett manuell zu bedienen und furchtbar langsam, die Regler können nicht live geschoben werden und die Auslastung der CPU schnellt nach oben (und das auf einem i7 mit 8GB Ram). Profile für Nikon Objektive sind ebenfalls nicht vorhanden.

Netterweise hat die „Öffnen mit“ Funktion mein installiertes Capture NX2 gleich erkannt. Ein Zeichen?

Capture NX-D open with
Capture NX-D öffnen mit

Leider fehlt in der aktuellen Version die Lokalisierung komplett. Auch wenn ich beim Download bei „Sprache und Region“ Deutschland ausgewählt habe, ist das Programm komplett auf Englisch. Es wäre mit Sicherheit kein Problem gewesen NX-D zu übersetzen, zumal es SilkyPix bereits lokalisiert gibt.

Fazit

Als kostenlose Beigabe zu einer Nikon Kamera ist Capture NX-D geeignet. Als Ersatz von Capture NX2, wie es in der Pressemitteilung vom Februar 2014 angekündigt wurde, ist es geradezu lächerlich. Mit der Veröffentlichung von NX-D wird NX2 leider nicht mehr weiter gepflegt. Die D810 ist auch schon die erste Kamera, die nicht mehr unterstützt wird.

Die Erwartungen an Capture NX-D waren hoch, daher ist die Enttäuschung nun um so größer. Wer bisher NX2 verwendet hat, muss sich demnächst um andere Software kümmern.

Wer Capture NX-D unbedingt selbst ausprobieren möchte, kann es hier herunterladen, empfehlen kann ich es jedenfalls nicht.